Mit der Ausstellung Democracy Matters eröffnet die Historical Society in New York ihre neue Museumserweiterung.
von Andreas Robertz

Seit die New York Knicks nach 53 Jahren zum ersten Mal wieder die diesjährige Basketballmeisterschaft gewonnen haben, steht die Stadt auf dem Kopf, Tausende reihten die Strassen am letzten Samstag, als die Siegesparade der Spieler den Frederick Douglass Boulevard in Harlem herunterzog. Überall sind die blau-orangen Trikots des Teams zu sehen, auch vor der New Yorker Historical Society, wo die berühmte Statuen von Abraham Lincoln und Frederick Douglass mit dem Trikot ausgestattet wurde. Das erste New Yorker Museum, wie es sich gerne nennt, hat sich auf ihre Fahne geschrieben, Vergangenheit und Gegenwart in einen spannungsvollen Dialog zu bringen, sei es humorvoll mit Frederik Douglass, oder seriös in ihrem neu angebauten Flügel, der am Wochenende eingeweiht wurde: ein Anbau, der speziell der amerikanischen Demokratie gewidmet ist. Andreas Robertz hat sich das neue Gebäude und die Eröffnungsausstellung “Democracy Matters” für uns angeschaut.
Gerade rechtzeitig zu den Feierlichkeiten zum 250 jährigen Bestehen der USA ist der Anbau der Historical Society fertig geworden. Von außen ist er kaum als Erweiterung zu erkennen, denn er setzt die steinerne, historistische Fassade des Hauptgebäudes fast bruchlos fort.


Im Innern aber öffnet sich eine 15 Meter hohe Ausstellungshalle mit grossen Fenstern und einer eingezogenen Galerie mit zwei großen Klassenräumen.
Darin gibt es Tische und Tafeln aber auch ein umlaufendes Wandbild mit einer Ansicht des Forums in Athen, das als Wiege der Demokratie gilt. Am liebsten möchte man sich hier gleich selbst hineinsetzen, um zu lernen. Die Bildungsprogramme sind wichtig, sagt Museumspädagogin Leslie Hayes.
Es ist etwas Besonderes, dass ein Museum jungen Menschen so viel Platz einräumt. Das ist ein einschneidender Moment fuer mich. Ich habe jetzt die Unterstützung des gesamten Museums, um Schüler und Studentinnen hereinzuholen und ihnen das Gefühl zu geben, willkommen zu sein.


In der Eröffnungsausstellung “Democracy Matters” hängt eine riesige amerikanische Fahne mit 36 Sternen an der Wand, die offizielle Flagge nach Ende des amerikanischen Bürgerkrieg 1865. Und auch das Bild “Der Sturz der Statue von König Georg III.” Von Johannes Oertel am Beginn der Ausstellung markiert ein wichtige historisches Ereignis. Es zeigt Kolonisten und Soldaten die nach der öffentlichen Verlesung der Unabhängigkeitserklärung am 9. Juli 1776 die Statue des englischen Königs niederreissen, um daraus Kugeln zu giessen, erklärt Kuratorin Valerie Paley:
Das Recht auf Protest ist ein zutiefst amerikanisches Phänomen und führte oft zu Veränderungen. Es ist interessant, wie wir aus einer Zeit des Protests gegen den König und gegen die Besteuerung ohne politische Repräsentation entstanden sind, und wie sich Protest bis heute wie einen roter Faden durch die amerikanische Demokratie zieht,. Er treibt Veränderungen voran und ist Teil unserer Identität.

Oertel
Und prominente Beispiele dafür zeigt die Ausstellung mit Fotografien undObjekten zu den Protesten für das Frauenwahlrecht, zur Überquerung der Selma Brücke in Alabama während der schwarzen Bürgerrechtsbewegung und zu den Stonewall Unruhen, dem Anfang des Kampfes für LGBT Rechte in Amerika. Eine eigene Sonderausstellung mit Fotografien der ersten Pride Märsche in New York mit dem Titel “Queer Joy” dokumentiert eine völlig neue Form des Protestes:
Protest ist eine Sache, Solidarität auf der Tanzfläche und anderswo aber ebenso, und es ist einfach eine wunderbare Extraausstellung, die die Bewegung, von Stonewall und darüberhinaus, sehr eindringlich vor Augen führt.
Die Ausstellung zeigt, dass in der heutigen Zeit so viel protestiert und demonstriert wird, wie seit dem Vietnamkrieg nicht mehr. Kuratorin Valerie Paley erinnert an die massiven No Kings Demonstrationen gegen die Trump Regierung. Der Wert von Demokratie und Bürgerrechten musste besonders in Zeiten der Krise immer wieder deutlich gemacht werden. Zum Beispiel auch während des 2. Weltkriegs, als die Bevölkerung auf den Kriegseintritt eingestimmt werden sollte.
1941 hielt Präsident Franklin D. Roosevelt vor dem Kongress eine Rede, in der er von vier Freiheiten sprach. Auf Plakaten, die von Norman Rockwell entworfen wurden, konnte man sehen, worin diese vier Freiheiten bestanden.
Rede- und Meinungsfreiheit, Glaubensfreiheit, Freiheit von Not und Freiheit von Angst auf der ganzen Welt. Dafür würde es sich lohnen zu kämpfen. Die berühmten Poster waren so populär, dass sie nahezu in jedem Haushalt zu finden waren.



Die Historical Society ist als Bildungseinrichtung so wichtig wie selten zuvor. Es ist beeindruckend, wie mutig sie genau die Geschichten erzählt, die Donald Trump beute aus den Geschichtsbüchern streichen will.