Resisterhood – Du gehörst hierhin!

Ist in den USA das Ende der offenen Gesellschaft eingeläutet worden? Andreas Robertz berichtet vom Frontalangriff auf die Transgender Community.


Seit Donald Trump und Elon Musk in den USA das Ruder  übernommen haben, hören die Angriffe auf die LGBTQ+ Community nicht mehr auf. Das ist auch in New York zu spüren. Dort hat einer der grösste Klinikverbunde die Behandlung an Gender Dysphoria leidende Jugendliche eingestellt, um nicht ihr Funding für Forschung zu verlieren, HIV Forschung wird nur noch unterstützt, wenn es um schwangere Frauen geht und offiziell darf es nur noch zwei Geschlechter geben. Für die LGBTQ+ Community ist klar: Sie sollen verschwinden, aus der Forschung, aus der Rechtsprechung, aus dem öffentlichen Leben, aus dem Militär, der Verwaltung, den Museen und der Kunst. so fehlten etwa am 13. Februar auf einmal zwei Buchstaben auf einer staatlichen Gedenkseite über die Stonewall Riots.


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Mit dem T und dem Q sollen queere und trans Menschen aus der Geschichte der schwulen Befreiungsbewegung gestrichen werden, im Einklang mit Donald Trumps Verordnungen zur Bekämpfung der „Gender-Ideologie“. Wenige Tage zuvor hatten die National Gallery of Art und des Smithsonian Museums ihre Büros für Diversität und Inklusion geschlossen. Trump hatte versprochen, mit all diesen woken, radikal-sozialistischen Initiativen aufzuräumen. 

Wir erleben einen umfassenden Angriffe auf Trans-Menschen

konstatiert Autor und Historiker Hugh Ryan, dessen Buch “When Brooklyn Was Queer,” den New York City Buchpreis gewonnen hat.

Beispielsweise wird versucht, aus medizinischen Entscheidungen, die alle so treffen sollten, wie es für sie am besten ist, eine Art politischen Fußball zu machen. Mit den Scheinargumenten Kinder, Fairness im Sport und Toiletten – das sind alles Vorwände, die ihnen die Möglichkeit geben, an eine größere Gruppe von Menschen heranzukommen, die meist nicht viel über das Leben von Queers und insbesondere über das Leben von Trans-Menschen wissen.

Für Ryan, der sich intensiv mit der Geschichte der LGBTQ+ Bewegung in der Weimarer Zeit beschäftigt hat, ist das Diffamieren von Trans-Menschen der Versuch, einen Keil zwischen transgender und queere Menschen einerseits und Schwulen und Lesben andererseits zu treiben.

Sie wissen, dass es Homosexuelle gibt, die konservativ sind, die geschlechtsnormativ sind, die bereit sind, transsexuelle Menschen zu opfern.  Es ist wie in Martin Niemöller berühmten Gedicht „Als die Nazis die Kommunisten holten…“  Sie testen, mit was sie durchkommen können.

Mittlerweile sind Tausende von Buchtiteln, Bilder und Referenzen von Transgender Menschen aus staatlichen Sammlungen wie den Pentagon Archiven verschwunden und öffentliche Bibliotheken stehen unter massivem Druck, sich ebenfalls dem Willen aus Washington zu beugen. Doch der Widerstand formiert sich. Ende Februar verklagte unter anderem das LGBTQ+ Center in Manhattan die Regierung: 

Das Zentrum hat sich heute sieben anderen LGBTQ+-, Gesundheits- und HIV-Organisationen angeschlossen und die Trump-Administration verklagt. Wir fechten die jüngsten Exekutivanordnungen an, die darauf abzielen, Transgender-Personen zu entmenschlichen und auszulöschen, und dem Zentrum und andere Organisationen, die ihnen dienen, ihre Finanzierung zu entziehen. 

schreibt Direktorin Carla Smith.  

Resisterhood – Du gehörst hierhin!

Resisterhood - Du gehörst hierhin!

Das Leslie-Lohman Museum in New York ist eines der weltweit einzigen Museen, das sich speziell der Arbeit von queeren, transgender und non-binären Künstler*innen verpflichtet fühlt. Obwohl das kleine Museum in Manhattan privat ist, macht sich Direktorin Alyssa Nitchun Sorgen: 

Wir nehmen zwar keine Bundesgelder in Anspruch, aber all das, was auf Bundesebene geschieht, hat auch Auswirkungen auf die private Finanzierung Wir sehen die Spitze dessen, was sich auf allen Ebenen der Finanzierung von Organisationen abspielen wird. 

Doch sie gibt sich kämpferisch. Schließlich habe das 1969 gegründete Museum eine Tradition zu verteidigen. Zu ihrer eigenen Überraschung haben sich die Besucherzahlen seit dem Beginn der Trump Regierung mehr als verdoppelt, besonders bei Schüler- und Studentengruppen. Das macht ihr Mut. Ihr Credo:

Wenn die Regierung dir sagt, dass du nichts wert bist, dass du nicht dazugehörst, dann sagt dir dieser Ort: Ja, du bist wertvoll, du bist wichtig, du bist echt, du existierst. 

Der Beitrag ist Teil des Corso Spezial “Wie rechte Regierungen queeres Leben zurückdrängen” vom 1. Mai, die Hintergrundmusik ist von dem Song Safe Word aus dem Album Grip by Serpentwithfeet